Verlegt und zurückgeschoben

Ältestes Camp in Athen geräumt
Das Eleonas Camp wurde 2015 als erstes Camp auf dem griechischen Festland errichtet und beherbergte im Sommer 2022 noch ca. 650 Personen. Das Camp sollte nun Mitte August geschlossen werden. Dabei kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Bewohner*innen, Solidarischen und der Polizei. Die Migrant*innen möchten nicht noch einmal an einen neuen “temporären” Ort transferiert werden, sondern sehnen sich nach langfristigen Lösungen und Stabilität. Bis Ende Jahr sollen dennoch alle Bewohner*innen umgesiedelt werden, voraussichtlich in das Camp Schisto, das letzte seiner Art rund um Athen. Laut der NGO Solidarity With Migrants wäre aber eine Unterbringung in der Stadt angebracht. 

Grenzschutz schreckt ab
Immer mehr (Segel-)boote verlassen die Türkei in Richtung Italien anstatt nach Griechenland und treten damit eine längere und gefährlichere Route an. So mussten diesen Monat mehrere Segelboote mit Menschen auf der Flucht während der Überfahrt nach Italien vor der griechischen Insel Kreta gerettet werden. Der so genannte „robuste Grenzschutz“, die Fortsetzung der illegalen Push-Backs durch die griechischen Behörden und die Abschiebungen zurück in die Türkei, scheinen Flüchtende und Migrant*innen „erfolgreich“ davon abzuhalten, die griechischen Inseln als Zielort zu wählen, wodurch aber Menschenleben noch stärker gefährdet werden. 

Fast 30’000 Menschen seit Beginn des Jahres
Auch in diesem Monat wurden Berichte von Flüchtenden über illegale Zurückdrängungen durch die griechischen Behörden registriert. 22 Menschen wurden von der griechischen Küstenwache in ein Schlauchboot gezwungen und, nachdem der Motor entfernt wurde, auf See zurückgelassen. Das Boot wurde später von der türkischen Küstenwache gefunden und diese berichtet, dass sich ähnliche Szenen täglich ereignen. Nach Angaben der türkischen Regierung wurden seit Anfang 2022 fast 30’000 Menschen in der Ägäis „gerettet“ – genauer gesagt: abgefangen oder in Absprache mit den griechischen Behörden eingesammelt. Dabei wurde all diesen Menschen das Recht in Europa Asyl zu beantragen illegal verweigert. Und es sind immer noch viele Menschen, die auf der Suche nach Schutz in Europa sind. Nach Angaben der IOM(Internationale Organisation für Migration) verlassen täglich Hunderte von Menschen die türkische Küste mit dem Ziel, Europa zu erreichen. 

Zahlen im August 2022
191 Boote mit insgesamt 5962 Menschen wurden zwischen dem 1. und 28. August von der türkischen Küstenwache und der griechischen Polizei angehalten und zurückgedrängt. Im gleichen Zeitraum sind auf den Ägäischen Inseln 1351 Menschen auf 42 Booten angekommen. Etwas mehr als 3000 Geflüchtete und Migrant*innen sind zurzeit auf den Ägäischen Inseln registriert.