Ein weiterer Winter bringt viel Leid

Ankünfte und Abreisen auf Lesbos
Vom 1. bis zum 23. Januar sind 116 Menschen auf dem Seeweg auf Lesvos angekommen. Im gleichen Zeitraum sind 53 Personen auf das Festland abgereist. Derzeit halten sich noch 2’325 Flüchtlinge und Asylbewerber*innen auf Lesvos auf. 87 % der 2.325 leben in Moria 2.0. Männer machen 50 % der Bevölkerung aus, Frauen 27 % und Kinder 23 %. 4 von 5 Kindern sind unter 12 Jahre alt.  (UNHCR)

Brände im Lager
Im Januar hat es bereits zwei Brände im Camp auf Lesvos gegeben und viele der Bewohner*innen verbringen bereits ihren zweiten Winter hier. Sie sind gezwungen, in diesem „provisorischen“ Camp zu bleiben, das Wind und Wetter ausgesetzt ist. Und für viele Menschen, die bereits den Brand in Moria überlebt haben, sind solche Ereignisse immer wieder retraumatisierend. Das letzte Feuer am 28. Januar brach in den grossen Zelten für alleinstehende Männer aus. Wieder verloren mehr als 50 Männer ihr gesamtes Hab und Gut und somit alles.

Covid-Beschränkungen und Verlassen des Camps auf Lesvos
Die Möglichkeit, das Camp zu verlassen, hängt momentan von der Anzahl der Covid-Fälle auf der Insel ab. Wenn die Zahl der Covid-Fälle auf Lesvos beispielsweise weniger als 100 beträgt, können alle Bewohner*innen das Camp täglich von 08:00 bis 20:00 Uhr verlassen. Wenn die Zahl der Covid-Fälle mehr als 100 beträgt, kann die Hälfte der Bewohner*innen von 08:00-14:00 Uhr und die andere Hälfte von 14:00-20:00 Uhr raus. Bei mehr als 200 Covid-Fällen können 25 % der Menschen zwischen 08:00 und 11:00 Uhr das Camp verlassen, weitere 25 % können zwischen 11:00 und 14:00 Uhr, wobei die folgenden 2 Gruppen von 25 % zwischen 14:00 und 17:00 Uhr und dann zwischen 19:00 und 20:00 Uhr das Recht haben, aus dem Camp hinauszugehen. Nach den aktuellen Covid-Fällen auf Lesvos kann die Hälfte der Bewohner*innen zwischen 08:00-14:00 Uhr und der Rest zwischen 14:00-20:00 Uhr das Camp verlassen.“

Das Wetter in Griechenland
Auf dem griechischen Festland herrschten in den letzten zwei Wochen extreme winterliche Wetterbedingungen mit Schnee und Eis in Athen und den umliegenden Camps. Da in dieser Zeit Strassen und Versorgungseinrichtungen abgeschnitten waren, hatten viele Menschen keinen Zugang zu angemessener Nahrung, Unterkunft und medizinischer Versorgung. Wir hoffen, dass sich dies in den kommenden Tagen ändert, wenn der Schnee zu schmelzen beginnt.

Hungerkrise in Griechenland
Die derzeitige griechische Regierung hat im Oktober 2021 Regeln eingeführt, nach denen lebenswichtige Leistungen wie Bargeld und Lebensmittel für anerkannte Flüchtlinge und abgelehnte Asylbewerber*innen sowie für diejenigen, die ihre Anträge nicht registriert haben, gekürzt werden. Bei anerkannten Flüchtlingen geschieht dies bereits 30 Tage nach der Entscheidung ihres Asylantrags. Durch diese Entscheidung wurden etwa 6.000 Menschen von der Lebensmittelversorgung in den Camps ausgeschlossen (etwa 40 % der in den Camps auf dem Festland lebenden Menschen). Viele haben den Winter über gehungert, vor allem Kinder, die jeden Tag mit leerem Magen zur Schule gehen. Es ist nicht hinnehmbar, dass in Griechenland, einem Mitglied der Europäischen Union, Menschen aufgrund neuer Gesetze und Massnahmen wissentlich hungern müssen.