Situation für Geflüchtete in Griechenland

Mehr Bewegungsfreiheiten 

Immer mehr Menschen dürfen das Lager Mavrovouni (Moria 2.0) verlassen. Die Bewegungsbeschränkungen wurden im Juni aufgehoben.

Auch die Insel darf von immer mehr Personen verlassen werden, aber nicht mit offiziellen Transfers und leider auch nicht mit offiziellen Dokumenten. Das ist problematisch, weil sie dann in Athen festsitzen, ohne Zugang zu offizieller Unterstützung. (Hier ein Beispiel, was geschehen kann: Arbeiten auf der Strasse: Athens Flüchtlingskinder)

Zahlen im Juni

Im Lager Mavrovouni auf Lesvos halten sich immer noch etwa 5.000 Menschen auf. Etwa 32% sind Kinder, 22% Frauen und 46% Männer. Insgesamt ist die Situation also etwas entspannter. Allerdings wurden die leeren Zelte im Lager abgebaut, anstatt den Platz unter den verbleibenden Menschen zu verteilen. Das bedeutet, dass sie sich nach wie vor ein Zelt mit bis zu 12 Personen teilen müssen, keine Privatsphäre und keinen Platz haben. Insgesamt sitzen 6’000 Menschen auf Lesvos fest. 

Ende des Bargelds! Ende der letzten Unabhängigkeit!

Im Juli enden alle Bargeldtransfers für Menschen, die ausserhalb der offiziellen Flüchtlingslager und öffentlich bereitgestellten Unterkünfte (ESTIA Housing) leben. Davon sind ca. 25’000 Menschen in Griechenland betroffen. Um diese minimale finanzielle Unterstützung nicht zu verlieren, bleibt ihnen nur die Möglichkeit, ihre Privatwohnungen zu verlassen und zurück in die Lager zu ziehen. Diese Entscheidung zwingt sie dazu, ihre letzte kleine Freiheit, ihre letzte kleine Unabhängigkeit aufzugeben. 

Zweite Ablehnungen 

Auf Lesvos ist derzeit eine hohe Zahl von Zweitablehnungen von Asylanträgen zu beobachten, da die Türkei in diesem Monat offiziell als sicherer Drittstaat eingestuft wurde. Dies betrifft Menschen aus Afghanistan, Syrien, Somalia, Pakistan und Bangladesch, die zusammen zwei Drittel aller Asylbewerber*innen in Griechenland ausmachen. Amnesty International nennt diese Entscheidung der griechischen Behörden „einen weiteren gefährlichen Schritt zur Demontage des Asyls in Europa“.

Die Polizei hat begonnen, nach Menschen im Camp zu suchen, die eine solche zweite Ablehnung ihres Falles erhalten haben und sammelt derzeit detaillierte Informationen darüber, wie und mit wem sie leben. NGOs und Geflüchtete sehen in diesem Verhalten der Behörden und der Polizei ein Indiz für mögliche Abschiebungen. Doch die Türkei, die jeder Person, die sie „zurücknimmt“, zustimmen muss, hat seit März keiner Abschiebung mehr zugestimmt. Daher scheint es wahrscheinlicher, dass Menschen mit einer sekundären Ablehnung in Abschiebehaftanstalten untergebracht werden, was im Grunde bedeutet, dass sie bis zu ihrer Abschiebung an einem unbekannten Datum im Gefängnis warten müssen. 

Psychische und physische Gesundheit verschlechtert sich 

Ärzte ohne Grenzen und andere medizinische Akteure warnen immer wieder vor dem psychischen Gesundheitszustand vieler Lagerbewohner*innen in Mavrovouni. Viele der Menschen weisen nicht nur Traumata von ihrer Flucht auf, sondern haben auch psychische Probleme, die durch die unmenschlichen Lebensbedingungen im Lager verursacht werden. Besonders die Lage der Jüngsten ist besorgniserregend, da die Kinder im Lager keinen Zugang zu Bildung und spielerischer Ablenkung haben. Gleichzeitig hat der heisseste Teil des Sommers begonnen und die Hitze fordert ihren Tribut an der körperlichen Gesundheit der Bewohner*innen. Das Lager fühlt sich wie eine Sauna an, ohne dass die Bewohner*innen die Möglichkeit haben, sich von der anhaltenden Hitze zu erholen. Die Elektrizität im Zeltlager ist zu schwach, um irgendjemandem eine Belüftung zu ermöglichen und die Zelte bieten keine Möglichkeit, Schatten zu spenden.

Verurteilung wegen des Brandes von Moria

Am 11. Juni wurden vier Jugendliche für das Anzünden des Feuers im ehemaligen RIC Moria verurteilt. Sie bekamen alle 10 Jahre Gefängnis. Während des Prozesses gab es bei der einzigen Aussage gegen die Angeklagten viele Unregelmässigkeiten. Keine Presse, keine internationalen Beobachter*innen und keine Mitglieder der Öffentlichkeit waren im Gerichtssaal zugelassen. Lies hier mehr

Covid-19

Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) stellte fest, dass Covid-19 Migrant*innen am schlimmsten getroffen hat und ihre Impfung ins Hintertreffen geraten ist. In Griechenland wurden „25 Cluster in Einrichtungen für Flüchtlinge und Asylbewerber*innen gefunden, und das Infektionsrisiko für diese Menschen war im Vergleich zur übrigen griechischen Bevölkerung 2,5 bis 3 Mal höher“. Die Agentur für Grundrechte (FRA) warnt davor, dass Migrant*innen in der EU Gefahr laufen, im Impfwettlauf zurückgelassen zu werden. 

Der aktuelle Covid-19-Ausbruch auf Lesvos bessert sich langsam – nur 55 Menschen wurden in den letzten zwei Wochen positiv getestet.  342 Flüchtlinge und Asylbewerber*innen wurden bereits geimpft, über 2.000 weitere sind für die Impfung registriert. Medizinische Teams im Lager haben in den letzten Wochen eine grosse Aufklärungskampagne durchgeführt, um die Impfraten und die Zahl der Registrierungen zu erhöhen.